
Zwischen Moor und Musik
Das Moor liegt still. Dunkles Wasser, weicher Boden, ein Ort, der nichts preisgibt und doch anzieht. Für Bettina Peterseil ist dieser Moorsee mehr als Landschaft. Sie geht hier baden, immer wieder. „Das Moor hat etwas Magisches“, sagt sie, „etwas Unergründliches.“ Es ist ein Ort, der Fragen stellt – und genau das scheint sie zu brauchen.
Bettina und Georg Peterseil leben abgeschieden, fernab von Dörfern, Straßen, Alltäglichkeiten. Und doch sind sie längst kein Rückzugsort mehr nur für sich selbst. Mit Trommelkursen, Gesang und Schreibwerkstätten sind sie zu einem Anziehungspunkt geworden – für Zugezogene, für Suchende, für irische Familien aus der Umgebung. Wer hierherkommt, sucht Kontakt, Austausch, manchmal auch Halt. Die Peterseils sind ein Zentrum geworden, ohne es geplant zu haben.
Das Thema Auswandern spielt in ihrem Leben leise, aber beständig mit. Bettina arbeitet an einem Buch, einem Gespräch mit sich selbst. Darin ringt sie mit dem Gefühl, nirgendwo wirklich anzukommen. Auch Irland ist für sie kein eindeutiges Zuhause. Sie liebt diesen Ort – und lehnt ihn zugleich ab. „Ich muss immer wieder weg“, sagt sie. Es klingt wie eine Flucht, weniger vor einem Ort als vor dem Stillstand. Das Moor spiegelt diesen inneren Zustand: faszinierend und bedrohlich zugleich.
Georg steht dazu im Kontrast. Er ist tief verbunden mit dem Haus, das sie sich hier aufgebaut haben. Was einst ein unwirtlicher Platz im Moor war, haben sie Schritt für Schritt verwandelt. Heute blüht es – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Georg spricht über die Architektur, über keltische Ringbauten, über Formen, die Schutz geben. Für ihn ist dieser Ort ein gelungenes Werk. Und doch sagt er: Er könne überall zuhause sein. Heimat, das ist für ihn kein fester Punkt, sondern eine Haltung.
Am Anfang stand ein Wohnwagen. Darin lebten sie zunächst, bauten ihr Haus um ihn herum. Der Wohnwagen ist geblieben – heute Bettinas Refugium zum Schreiben. Ein Ort der Konzentration, des Rückzugs, vielleicht auch der Distanz. Nähe und Abstand, Bleiben und Gehen: Diese Spannungen durchziehen ihr Leben.
In ihren Workshops taucht immer wieder ein weiteres Thema auf – Schuld und Vergebung. Es ist kein moralischer Zeigefinger, eher eine offene Frage. Was nehmen wir mit, wenn wir gehen? Was bleibt, wenn wir ankommen? Vielleicht ist es kein Zufall, dass diese Fragen gerade hier, im Moor, Raum bekommen.
Am Abend hallen Trommelschläge über das Land. Stimmen mischen sich darunter, manchmal Gesang, manchmal Stille. Georg und Bettina haben keinen einfachen Ort geschaffen, aber einen ehrlichen. Einen, der nichts verspricht – außer der Möglichkeit, sich selbst zu begegnen.
Das Moor hat etwas Magisches.







